Schlossgarten Schwetzingen

Merkur-Tempel

Silhouette des Merkur-Tempels

Ein bisschen düster und unheimlich wirkt er schon, wenn er sich hinter Bäumen erhebt oder im Teich spiegelt: Der Merkur-Tempel. Er war immer eine Ruine, denn sein Erbauer Pigage hatte dies beabsichtigt und damit einen klaren Kontrast geschaffen zu der gegenüber liegenden strahlenden Moschee, als er den Tempel 1787 - zwei Jahre vor der französischen Revolution - fertigstellte.

Merkur-Tempel am Teich

Relief 1: Über dem Portal an der Nordwand hat Hermes den Wächter Argos eingeschläfert, um Io zu befreien. Der Göttervater Zeus hatte sich in Io verliebt und wollte sie entführen. Als dies seine eifersüchtige Gattin Hera erfuhr, verwandelte Zeus seine Geliebte in eine Kuh, um die Entführung zu vertuschen. Hera entdeckte dies jedoch und forderte als Geschenk die Kuh. Ihr Gatte gewährte ihr dies. Hera beauftragte den vieläugigen Riesen Argos Io zu bewachen.

Zeus sandte den Himmelsboten Hermes zu Argos. Dieser schläferte ihn mit seinem Flötenspiel ein. Diese List bemerkte Hera und sandte eine Bremse, die Io ständig verfolgte. In Ägypten flehte Io die Götter an sie zu erlösen. Hera gewährte ihr den Wunsch und verwandelte sie zurück in die menschliche Gestalt.



In der römischen Mythologie ist Merkur Gott des Handels, der Reisenden und der Diebe, des Ringens, der Fechtkunst, der Beredsamkeit sowie Seelenführer, der die Seelen der Verstorbenen aus ihren Körpern lässt und ins Totenreich des Hades geleitet. Damit ist Merkur das römische Gegenstück zum griechischen Gott Hermes, dem Götterboten.

Der Merkur-Tempel steht auf einem kleinen Hügel. Der Tempel besteht aus einem verließartigen Untergeschoss, einem Mittelteil mit einer engen Wendeltreppe und der Kuppel.

Drei Portale führen in das Innere des Tempels. Über jedem der Portale befinden sich Stuckreliefs mit Motiven des Gottes Merkur. Neben mythischen Legenden kann man dem Merkur-Tempel noch weitere Sinnbilder zuordnen: Die - bei Pigage immer wiederkehrende Dreischichtigkeit - weisen auf "Hermes Tismegistos", den Dreimalgroßen. Im 18. Jahrhundert ist Hermes dem altägyptischen Gott Toth gleichgesetzt als Erfinder der Buchstaben, Naturwissenschaften und Philosophie. Dies ist im "Hermeticum" verankert. Freimaurer, Illuminatoren und Rosenkreuzer verliehen ihm allerhöchstes Ansehen.


Relief 2: An der Ostwand titt Merkur / Hermes als Bestrafer des Prometheus auf, der an die Felsen des Kaukasus gefesselt ist, weil er den Menschen das Feuer gebracht hat.

Chinesische Brücke mit Merkur-Tempel im Hintergrund

Relief 3: Über dem Portal an der Westwand führt Hermes Persephone aus dem Totenreich des Hades zurück.

Persephone ist Tochter des Zeus und der Demeter. Ihre Attribute sind Ähre, Granatapfel und Zypresse.

Der Gott der Unterwelt Hades entführte Persephone, mit Einwilligung ihres Vaters Zeus), doch gegen den Willen der Göttin Demeter. Hades machte sie zu seiner Gattin und Herrscherin der Unterwelt. Seitdem verbringt Persephone ein Teil des Jahres bei Hades in der Unterwelt, die übrige Zeit bei ihrer Mutter Demeter in der Oberwelt. So lebt sie wie ein Samenkorn einen Teil des Jahres im Dunkel der Erde und die übrige Zeit im Licht.